Bericht: Ausflug der Regionalgruppe Rheintal-Buchs der Sektion Ostschweiz zur REGA Basis St. Gallen

Ort
Rega Basis, Wehrstrasse 8, 9015 St. Gallen
Datum
05. Oktober 2019

Am Samstag 05. Oktober 2019 um 14:30 Uhr trafen sich 11 Interessierte zur Besichtigung der REGA Basis St. Gallen in St. Gallen-Winkeln. Sie ist gleichzeitig Mittelland- und Gebirgsbasis, schweizweit gibt es 13 Basen.

Unser Führer war Heinz Enz, Mitbegründer der REGA Basis St. Gallen und ehemaliger Leiter. Begonnen hat die Einsatztätigkeit der Rega in der Ostschweiz am 2. April 1981. Damals flog die Alouette III der Rega mit der Immatrikulation HB-XHZ von Zürich nach St. Gallen, wo sie zunächst im Kinderspital St. Gallen stationiert wurde. Die Helikoptereinsatzbasis St. Gallen in Winkeln gibt es seit 22. Dezember 1984. Heinz Enz erklärte uns das mitgeführte Rettungsequipement und wir durften uns einen Film über REGA-Einsätze ansehen.


Die REGA selbst wurde 1952 gegründet. Die Erwartungen seitens der Bevölkerung an die REGA sind riesig, betont Heinz Enz. Seit 1966 gibt es die REGA-Gönnerschaft, sie ist aus finanzieller Not entstan-den. Heute werden ca. 60% der Kosten durch die ca. 3.5 Mio. Gönner gedeckt.


Heinz Enz ging 2008 nach 26 Jahren Tätigkeit in der Basis St. Gallen in Pension. Seither nimmt er noch Repräsentationsaufgaben für die Basis wahr. Pro Jahr finden 60 – 80 Führungen statt. Heinz Enz wusste viel aus seiner langjährigen Erfahrung zu berichten. Er besucht auch die transportierten Patien-ten im Spital und betont, dass sie die Betreuung der Patienten als eine Art Qualitätskontrolle betrach-ten und sie für die REGA sowie die Patienten sehr wichtig ist. Es gibt Verunfallte, die aufwachen und nicht einmal wissen, dass sie von uns geflogen wurden.


Das Einsatzgebiet umfasst die Kantone St. Gallen, Thurgau und Appenzell sowie das Fürstentum Liech-tenstein. Es reicht von Kreuzlingen bis zum Rheintal und vom Bodensee bis zu den Churfirsten. Das entspricht einer Flugzeit von rund 7 Minuten ab St. Gallen. Auch die Landesgrenzen stellen für den St. Galler Helikopter kein Hindernis dar, wenn er z.B. durch die deutschen Leitstellen Bodensee und Kon-stanz sowie von der Rettungs- und Feuerwehr-Leitstelle Feldkirch zu einem Rettungsflug in das be-nachbarte Ausland (Vorarlberg) angefordert wird. Unsere Nachbarländer Deutschland und Österreich fliegen keine Nachteinsätze, da sie nicht über Nachtsichtgeräte verfügen. 1987 rüstet die REGA als weltweit erste zivile Luftrettungsorganisation alle Helikopter mit Nachtsichtgeräten aus. Ein Nachtsichtgerät kostet ca. Fr. 60'000.00. Die REGA kann auch Hundeführer und Alpinspezialisten für Einsätze aufbieten.

Seit Dezember 2016 sind zwei Routen des Low Flight Network, ein auf Satellitennavigation basieren-des Flugroutennetz für Helikopter, für das Retten bei schlechter Sicht tagsüber für den Einsatz zugelas-sen. Die Spitäler Bern, Zürich und Lausanne können mittlerweile mit Instrumenten angeflogen werden. Die regelmässigen Schulungen der Helikopterpiloten finden in Deutschland, die der Piloten der Ambu-lantsjets in Kanada (bei Bombardier) statt.


2018 hatte die Basis mehr als 1000 Einsätze. Davon waren 600 Primäreinsätze bei Verkehrs- und Ar-beitsunfällen, Bergungen von Personen und Tieren, die übrigen 400 waren Verlegungsflüge in Spitäler. Häufig sind dies auch Einsätze mit Neugeborenen in der sogenannten Isolette. 300 Einsätze fanden nachts statt.

Die Rega organisiert jedes Jahr die Repatriierung von mehr als 1'200 Patienten mit ihren drei Ambu-lanzjets. Zur medizinischen Crew im Rega-Jet gehören immer mindestens ein Flug Arzt und eine Inten-sivpflegefachperson. Sie besitzt ein eigenes Funknetz sowie eine eigene Einsatzzentrale. An Bord jedes Helis sind ein Notfallsanitäter und ein Anästhesist. Der Anästhesist beherrscht die Atem-wegsicherung und kennt sich überdies in der Schmerztherapie aus. Tag und Nacht ist immer ein Arzt auf Pikett. Er wird vom Kantonsspital St. Gallen aus dem sogenannten «Ärztepool» gestellt.

Die REGA Partnerbasis Genf hat als einzige einen gelben Helikopter. Sie ist für dringende medizinische Transporte dem Universitätsspital Genf angeschlossen. Das Spital ist spezialisiert für Lebertransplanta-tionen.


Anfang Juni 2019 hat die Basis St. Gallen ihren neuen Rettungshelikopter H145 in Betrieb genommen. Er hat ein Gewicht von ca. 3.5t und kostete 8.5 Mio. Ein ehemaliger REGA-Helikopter ist seit April 2019 im Verkehrshaus Luzern ausgestellt. Mit diesem Helikopter wurden über 8000 Menschen in 16 Jahren gerettet.


Am Schluss der Führung hatten wir noch das Glück, dass wir den neuen H145 live sehen konnten. Es war zwischenzeitlich in Rorschach an der Ausstellung Boden See Luft 19.
Ein herzlicher Dank geht an Heinz Enz für die interessante Führung und an die REGA für ihre unermüd-lichen Einsätze zum Wohle der Allgemeinheit.


Bea Giger
Leiterin Regionalgruppe Rheintal-Buchs