Frauenstadtführung durch Winterthur

Ort
Winterthur
Datum
30. Mai 2015 10:00 Uhr

Am diesjährigen Frauenstadtrundgang in Winterthur unternahmen 17 syndicom Kolleginnen bei schönstem Wetter am Samstag, 30. Mai 2015, eine Reise in die jüngere Vergangenheit der Stadt. In den Jahren des wirtschaftlichen Aufschwungs brauchte die Schweiz Arbeitskräfte in so grosser Zahl, dass sie auf ausländische Arbeitnehmende angewiesen war, allen voran aus Italien. In den 1960er Jahren erreichte die Immigration ausländischer Arbeiterinnen und Arbeiter ihren Höhepunkt. So hatte insbesondere Winterthur mit den Sulzer Werken einen enormen Bedarf an Arbeitskräften.

Kurzweilig erzählten uns die drei Führerinnen, wie es für italienische Einwanderinnen war, sich in diesem fremden, klimatisch gänzlich anderen Land einzuleben. In ihren Erzählungen stützten sie sich auf Interviewaussagen, die im Rahmen von sozialwissenschaftlichen Arbeiten gewonnen wurden. So hörten wir, dass es wohl einfach war, Arbeit zu finden, Einwandererinnen und Einwanderer bei der Wohnungssuche aber mit vielen Vorurteilen und auch kulturellen Ressentiments konfrontiert wurden.

Durch beeindruckende Aussagen wurde uns klar, wie schwierig das Ankommen und die kulturelle Anpassung für die ersten italienischen Einwanderinnen und Einwanderer gewesen sein muss. So waren sie hin und her gerissen zwischen fremd gewordener Heimat und immer heimatlich werdender Fremde.

Bewundernswert war es, mit wie viel Ideenreichtum, Ausdauer und Improvisation italienische Frauen das Leben in der neuen Heimat bewältigten und Familie und Arbeit unter einen Hut brachten. Um ein Stück Heimat zu behalten, legten sie grossen Wert auf ihre heimische Küche. In Städten mit grossen italienischen Gemeinden wie Winterthur entstanden etliche Verkaufsläden mit italienischen Lebensmitteln und Produkten. Auch kultivierten sie ihre eigenen kleinen Gärten, wo sie Gemüse züchteten, die damals noch nicht auf dem Schweizer Speiseplan geführt wurden. So fand beispielsweise der Broccoli seinen Weg in unsere einheimische Küche. Mit ihrer Kultur der Geselligkeit gründeten sie ein gut ausgebautes Vereinswesen und sorgten damit für ein "Stück Italien in der Schweiz".

An über 10 Stationen erzählten uns die Führerinnen, welche Plätze, Gebäude und Kirchen wichtige Rollen im wirtschaftlichen, kulturellen und sozialen Leben der italienischen Einwanderinnen und Einwanderer spielten. Wir lernten dadurch nicht nur etwas über die italienische Mentalität, Kultur und Integration kennen, sondern auch über die Stadt Winterthur während ihrer industriellen Blütezeit.

Den Rundgang liessen wir in gediegenem Ambiente mit einem Apéro im Park Hotel Winterthur ausklingen.

Die drei Führerinnen mit den syndicom Kolleginnen         

Apéro in gediegenem Park Hotel Winterthur