Bericht: Geschichte starker Frauen in St. Gallen

Ort
St. Gallen, unter der Linde auf dem Gallusplatz
Datum
27. Juni 2015 14:45 Uhr

Nachdem am Samstag, 27. Juni 2015 noch am Mittag ein Wolkenbruch über St. Gallen erging, konnte unsere Stadtführung kurze Zeit später bei tiefblauem Himmel und strahlendem Sonnenschein durchgeführt werden.

Die Geschichten starker Frauen von St. Gallen stiess zu unserer Freude auf grosses Interesse, denn 23 syndicom Frauen fanden sich gut gelaunt beim Treffpunkt unter der Linde auf dem Gallusplatz ein. Und unsere kundige Führerin enttäuschte die hohen Erwartungen nicht. Sie erzählte uns von höchst beeindruckenden Frauen, die in St. Gallen geboren wurden und in unserer Stadt, aber auch andernorts wichtige Spuren hinterlassen haben.

Wir besichtigten die barocke Klosterkirche von St. Gallen, wo wir wunderschöne Wandmalereien mit Wiborada bestaunten. Wiborada war die erste im Jahre 1026 erstmals durch einen Pabst heilig gesprochene Frau und stammte aus St. Gallen. Bis zu ihrem frühen Tod im Jahre 926 lebte sie als Eingeschlossene in St. Gallen. Wiborada ist übrigens die Schutzheilige der Bibliothekare und Bibliophilen, da die wertvollen Bücher der Stiftsbibliothek dank ihrer Voraussicht rechtzeitig vor den hereinfallenden ungarischen Horden in Sicherheit gebracht werden konnten. Ein bisschen sind somit auch wir, die Gewerkschaft für Medien und Kommunikation, mit Wiborada verwandt.

Auch Anna Labhart, die erste Frau, die in der Schweiz den Beruf der Uhrmacherin erlernte, stammte aus St. Gallen. Eine weitere Persönlichkeit aus St. Gallen war Martha Cunz, Schülerin von Emil Rittmeyer und Adolf Hoelzel. Sie war nicht nur Gründungsmitglied der deutschen Vereinigung Graphik (man beachte auch hier den Bezug zu unserer Gewerkschaft), sondern auch eine der bedeutendsten Kunstschaffenden innerhalb der Holzschneidekunst. Sehr faszinierend an Martha Cunz erschien uns auch der Umstand, dass sich diese Frau dazumal die Freiheit herausnahm, Männerkleider zu tragen:

Martha Cunz (1876–1961), wächst in St. Gallen als Tochter eines Textilagenten in gutbürgerlichen Verhältnissen auf und beschliesst bereits in jungen Jahren Künstlerin zu werden.

Nach dem spannenden Rundgang haben wir im wunderschönen Jugendstilrestaurant Concerto einen feinen Apéro genossen.

Unsere Gruppe vor dem St. Galler Reformator Apéro im Restaurant Concerto Vadian (Joachim von Watt, 1484-1551)

Apéro im Restaurant Concerto