Bericht Neujahrsanlass 2015

Ort
Stein
Datum
31. Januar 2015 11:00 Uhr

 Die Neujahrsbegrüssung der Sektion ist schon längst zur schönen Tradition geworden. Das gemütliche, ungezwungene Beisammensein und den Austausch unter den Mitgliedern aller Sektionen geniessen wir jedes Jahr.

 Auch 2015 sind gut 110 Kolleginnen und Kollegen der Einladung des Sektionsvorstands zur Neujahrsbegrüssung gefolgt. Wie bereits letztes Jahr konnten wir auf wunderbares Wetter zählen, und wieder zog es uns ins Appenzellerland. Bei strahlendem Sonnenschein trafen wir uns gegen Mittag zu einer dreiviertelstündigen Führung durch die Schaukäserei Stein. Schliesslich, wie Präsident Erich Bischof in seiner kurzen Ansprache ausführte, gibt es Parallelen zwischen den Prozessen, die bei der Käseproduktion in Gang sind, und den aktuellen Entwicklungen in der Gesellschaft, die sich auch auf die Gewerkschaften auswirken: Das Lab spaltet das Milcheiweiss, die Milch dickt ein – man könnte sagen, es findet eine Entsolidarisierung statt. Als Gewerkschaft haben wir es uns zur Aufgabe gemacht, dieser Entsolidarisierung, so, wie sie sich aktuell auch in der Arbeitswelt abzeichnet, entgegenzuwirken. Das ist nicht immer einfach, und nur möglich dank der Mitgliedschaft aller Gewerkschaftskolleginnen und -kollegen. Deshalb soll die Neujahrsbegrüssung immer auch ein kleines Dankeschön an alle Mitglieder sein. Sie sind teils seit Jahrzehnten mit Herzblut dabei und tragen konkret dazu bei, dass wir im rauen Klima hartnäckig weiterkämpfen können für faire Arbeitsbedingungen – solidarisch, für alle.

 Bei einem feinen Raclette pflegten wir im Anschluss an die Führung den Austausch, liessen vergangene Aktionen Revue passieren und diskutierten über die Zukunft von syndicom. Schön wars, einmal mehr!

Jahresbericht des Präsidenten der syndicom-Sektion Ostschweiz zum Jahr 2014

Geschätzte Kolleginnen, geschätzte Kollegen

Auch im vergangenen Jahr waren Ressourcenstreitereien das Hauptkampffeld der Gewerkschaftsbewegung.

Grosse Sparbemühungen sind allerorts auszumachen und sollen möglichst immer auf Kosten der Schwächsten gehen. Die Gewerkschaften und ihre Politik werden vielerorts diskreditiert und das Sehen um den Nutzen einer gut funktionierenden Sozialpartnerschaft erblindet zusehends. Der Alltag in der Lohnarbeit zeichnet sich mehr und mehr durch einen Arbeitskampf aus, dessen Programm vielfach in der Ausspielung, jeden gegen jeden, vom Arbeitsplatz bis zur Leistungsdichte, lautet.

Dazu kommt weltweit eine Geopolitik, die den Wert des Einzelnen je nach Bedarf des Kapitals an den Rand des Existenziellen drückt, so im Stil „Friss oder stirb“ oder „Hau doch ab“. Geldmehrung heisst der Virus, der die Solidarität immer mehr auflöst. Konzerne wie auch einige politische Exponenten sind bereits von diesem zerstörerischen Virus befallen.

Das trifft auch unsere Bewegung. Jeder Arbeitsplatzverlust schmälert die Möglichkeit, Mitglieder zu werben. Dass immer mehr Mitarbeiter nur noch auf Teilzeit angestellt werden, unterstützt diesen Trend zusätzlich. Die Mitgliederzahlen schrumpfen so trotz hoher Werbebemühungen. Diese Situation zwingt auch syndicom zu Sparmassnahmen. Eine Beitragsharmonisierung über alle drei Sektoren versucht, den Verlusten Einhalt zu gebieten, fordert aber unter anderem Einbussen bei den Einnahmen der Sektionen sowie Reduktionen im Personalkörper der Regionalsekretariate.

Die GAV-Verhandlungen bei der Post CH AG mit Unterbruch stellen für die Betroffenen einen zerschleissenden Kraftakt dar. Er steht zwar, muss aber noch abgesegnet werden. „Umbau ja - Abbau nein!“ löst zwingend Interessenkonflikte aus. Der abnehmende Bedarf an Postdienstleistungen und ihre Auswirkungen auf das Personal verunsichert hier grosse Teile der Belegschaft.

Im Bereich Swisscom sind es die andauernden Restrukturierungen. Die Verfügbarkeit des Mitarbeiters über den Feierabend hinaus beinhaltet ein Krankheitsrisiko, das es zu bekämpfen gilt.

Die Schliessungen von Druckereien aus Gründen der Gewinnmaximierung sind ein Affront für das betroffene Personal. Ihre Existenz wird unnötig und frech dem Mammon geopfert.

 

Eine engagierte Sektion

Unsere Sektion hat mitgeholfen, dass die Verbindung zur Basis funktioniert. Wir sind dauerhaft in einem guten Austausch mit dem Regionalsekretariat und unterstützen wo möglich und nötig deren Arbeit.

In unsere Sektion haben wir die laufenden Geschäfte in 4 Vorstandssitzungen, 4 Bürositzungen und einer Klausurtagung abgehandelt. Die Sektoren fanden sich ebenfalls in verschiedenen Versammlungen.

Wir haben regionale Gewerkschaftsbünde mitgetragen und uns zu Initiativen und Kampagnen im Sinne der Arbeitnehmerschaft wie immer engagiert.

Der Kampf um weitere Schliessungen von Poststellen konnte nicht verhindern, dass Poststellen zu Agenturen abwanderten. Personal und Anteile einer qualifizierten Finanzdienstleistung vor Ort sind so für immer verloren.

Die Neuausrichtung unserer Einheitssektion über alle drei Sektoren haben wir gut gelebt. Die kritischen Baustellen sind behoben.

Im ganzen Prozess der Beitragsharmonisierung ist es uns gelungen, unsere Tradition und Geschichte, die Pensionierten, bei uns zu behalten. Allen Vorständen und Organisatoren in den Pensionierten-Vereinen-Clubs gebührt mein besonderer Dank. Zu wissen, dass man nicht alleine ist, ist gerade im Alter ein wichtiges und beruhigendes Gefühl.

Personell haben sich im Vorstand Veränderungen ergeben. Jeremy Bourg (Presto) hat den Vorstand verlassen. Christoph Weiler hat sich in Ablösung von Josef Schmid in die Materie des Kassenwesens verantwortungsvoll eingearbeitet. Mit der Weiterführung der Mutationen betreut Christoph ein Doppelmandat. Unter den spärlicheren Einnahmen – ungefähr noch die Hälfte – wird es nicht einfacher werden. Die Situation ist nicht mehr ohne Ausgabenüberschuss zu bewältigen. Ein Vermögensverzehr lindert diese Konsequenzen etwas.

 

Danke!

Allen Vorstandskolleginnen und -kollegen danke ich für ihr Engagement und die spürbare Unterstützung in meinen Aufgaben. Aktive Milizen, ohne die syndicom nicht auskommt, sind eine starke Stütze im Gewerkschaftsbau.

Ein spezieller Dank geht an das Regionalsekretariat und die kompetente Zusammenarbeit über das ganze Jahr. Dank des Einsatzes von Nicole Weber, Angelika D’Alessandro, Gianna Braun und temporär Anna Haselbach konnte an diversen „Baustellen“ und vor allem bei vielen Einzelfällen aus unserem Sektionsgebiet geholfen werden. Das Sekretariat an der Zwinglistrasse 3 in St. Gallen hat sich für alle bewährt. Auch Dominik Dietrich betreut seinen Sektor von Zürich aus vorbildlich.

Die Einpack-Mannschaft leistete bei jedem Versand eine immense Arbeit. Auch ihnen meinen – unseren - Dank. Wenn das Projekt „Zentralversand“ Fuss fassen kann, werden sie grossteils entlastet sein.

Die neue Homepage hat sich voll bewährt. Für ihre prompte Bedienung verdient Fabian Schneggenburger einen besonderen Dank.

Die Neujahrsbegrüssung in der Schaukäserei Stein war gut besucht. Ein Anlass, der das Miteinander der Sektion stützt. Herzlichen Dank an das organisierende Regionalsekretariat, Gianna Braun und Anna Haselbach, die übrigens auch massgeblich zum Gelingen der heutigen HV beigetragen haben.

Unser Ehrenpräsident Adrian Schweizer starb ein halbes Jahr nach seinen 100. Geburtstag. Ihm, einem Urgestein der Gewerkschaftsbewegung, danke ich herzlichst für alles.

Meine Wenigkeit ist mittlerweile in die Pension gegangen. 46 Jahre sind genug. Es ist ein Privileg, die Zeithoheit jenseits von der Weisungsbefugnis des Arbeitgebers zu haben. Nichtsdestotrotz wird man sich Gedanken um das Präsidialamt machen müssen, nicht, weil es mir verleidet ist, aber ein aktiv im Arbeitsprozess stehender Nachfolger würde der Sache mehr dienen.

Nicht zu vergessen: 2015 ist ein Wahljahr. Eine verantwortungslose Wahlabstinenz ist hier das letzte, was wir brauchen.

Im Wissen um euch, und dass wir nicht unterzukriegen sind, danke ich allen, die ihren Beitrag leisten und weiter leisten werden.

 

St. Gallen den 20. März 2015, euer Präsident,     Erich Bischof